ProSaDi Teilprojekt 2: PAESE 3.0 (Provenienzforschung)

ProSaDi Teilprojekt 2: PAESE 3.0 (Provenienzforschung)

Projektteam

Prof. Dr. Lynn Rother
Dr. Claudia Andratschke
Prof. Dr. Monika Sester
Prof. Dr. Sascha Koch
Prof. Dr. Thomas Brinkhoff
Prof. Dr. Sebastian Vehlken
Agustina Andreoletti
Anastasia Bauch
Inga Kirschnick
Nnenna Onuoha
Olga Shkedova

PAESE 3.0: Forschungen zur Lückenhaftigkeit, Ethik und digitalen Zukunft von kolonialen Provenienzdaten

Das transdisziplinäre Teilprojekt PAESE 3.0 bewertet am Beispiel der PAESE-Datenbank kritisch die Stärken und Schwächen von Datensätzen zu Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten. Gleichzeitig wird untersucht wie diese Erkenntnisse dazu beitragen können, Datenpraktiken gerechter, zugänglicher und besser umsetzbar zu machen. Im Fokus stehen der Umgang mit Unwissen, Unsicherheiten, Lücken und ungeklärte Provenienzen, mit sensiblen, geheim-sakralen oder auch privaten Beständen und Materialien, sich verändernden geografischen Markierungen, aber auch mit diskriminierender und verletzender Sprache, die Zusammenarbeit mit communities zur Wiederherstellung von Würde sowie die Möglichkeiten und Grenzen von Normdaten, kontrollierten Vokabularen und digitaler Restitution.

Das PAESE-Projekt (Provenienzforschung zu Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten in Niedersachsen) lief von 2018 bis 2022 und etablierte eine Infrastruktur für die kollaborative Provenienzforschung. in Niedersachsen Zudem wurde eine Verbund-Datenbank der teilnehmenden Einrichtungen erarbeitet, die vom Netzwerk Provenienzforschung in Niedersachsen fortgeführt wird – mit dem Ziel, Provenienzen möglichst transparent zu dokumentieren Diese Datenbank präsentiert derzeit Objektdaten und Freitexte in einer hybriden Form und spiegelt damit einen systematischen Forschungsprozess wider, der nicht nur die gewaltförmigen Entstehungskontexte kolonialer Sammlungen aufdeckt, sondern diese auch in transnationale Debatten über indigenes Kulturerbe, kulturelles Eigentum, Restitution und gemeinsames Erbe einordnet.

PAESE 3.0 erweitert diese Grundlage durch die transdisziplinäre Zusammenarbeit mit Wissenschaftler:innen aus den Bereichen Digitale Geisteswissenschaften, Datenvisualisierung, Large Language Models und Geoinformatik. Die PAESE-Datenbank soll in eine Linked-Open-Data Struktur überführt und Informationen somit transparenter, interoperabler und weltweit zugänglicher gemacht werden. Unter Berücksichtigung der Auswirkungen auf die Gemeinschaften, aus denen diese Objekte stammen, stellt das Projekt drei zentrale Fragen: Was sind die epistemologischen, ethischen und technischen Grenzen bestehender Datensätze? Wie kann die Datenverwaltung sicherstellen, dass Gemeinschaften eine sinnvolle Kontrolle über ihre eigenen Daten zum kulturellen Erbe erhalten, ohne die extraktive und klassifizierende Logik kolonialer Sammlungen zu reproduzieren? Und wie lassen sich räumliche Informationen angemessen abbilden, wenn koloniale und postkoloniale Prozesse Ortsnamen und territoriale Grenzen kontinuierlich verändert haben?

Das Projekt beginnt mit einer internationalen Umfrage unter indigenen und nicht-indigenen Communitiy- Mitgliedern, Digitalspezialist:innen sowie Kolonial- und Globalhistoriker:innen. Ziel ist es, zu ermitteln, wie digitale Objektbiografien und Provenienzdatenmodelle globale historische Perspektiven und zukunftsorientierte ethische Forschung besser widerspiegeln können. Die Ergebnisse derUmfrage werden veröffentlicht und bilden die Grundlage für das weitere Vorgehen sowie den Aufbau von Kooperationen, die konkrete Wege zur Wiederherstellung von Würde und zu gemeinschaftsgeleiteteten Entscheidungsprozessen eröffnen.